Einstieg in den Arbeitsmarkt

Eine einfache Aussage zu treffen, wer wann welche Art von Arbeit aufnehmen darf, ist nicht leicht zu treffen. In dem angebotenen Download „Arbeitsmarktzugang für Flüchtlinge“ können Sie auf 56 Seiten genau nachlesen, welcher Status zu welcher Berechtigung führt. Generell kann gesagt werden: Es ist wichtig, dass Flüchtlinge so schnell wie möglich einen Zugang zum Arbeitsmarkt erhalten, nicht nur, damit eine Integration erfolgt, sondern auch, um die eigene Zufriedenheit zu erhalten, selbständig den Lebensunterhalt möglichst bald zu bestreiten. Es ist relativ leicht, ein Praktikum zum Kennenlernen ohne Entgelt zu absolvieren oder eine Ausbildung zu beginnen. Eine Beschäftigung gegen Entgelt darf frühestens nach drei Monaten aufgenommen werden, sofern eine Erlaubnis erteilt wurde. Vorab wird geprüft, ob diese Stelle nicht durch einen EU-Bürger besetzt werden kann. In der Fachsprache nennt man diesen Vorgang Vorrangprüfung. Ist jemand bereits seit 15 Monaten oder länger in Schneverdingen, muss die Tätigkeit ebenfalls genehmigt werden, es erfolgt jedoch keine Prüfung, ob ein EU-Bürger zu bevorzugen sei.

Es hängt am jeweiligen Aufenthaltstitel, welche Tätigkeit genau aufgenommen werden darf. Mehr zu den jeweiligen Titeln und den Möglichkeiten findet ihr auch recht gut erklärt hier: Fragen und Antworten zum Aufenthaltsstatus und zum Zugang zur Berufsausbildung.pdf

Praktika

Seit einer gesetzlichen Änderung im letztem Sommer brauchen Flüchtlinge keine Genehmigung der Bundesagentur für Arbeit, um ein Praktikum zu beginnen.
Man unterscheidet verschiedene Formen von Praktika:
Pflichtpraktika: Sie werden aufgrund einer schulrechtlichen Bestimmung oder einer hochschulrechtlichen Bestimmung durchgeführt oder sollen helfen, einen beruflichen Abschluss aus dem Heimatland anzuerkennen.

Praktika zur Berufsorientierung: Wenn noch keine berufliche Ausbildung vorliegt bzw. eine Umorientierung stattfinden soll, oder wenn eine bisherige Ausbildung bisher nicht anerkannt wurde und im Anschluss an das Praktikum eine neue Ausbildung begonnen werden soll.

Flüchtlinge mit Aufenthaltserlaubnis dürfen generell ohne Einschränkung ein Praktikum aufnehmen. Geduldete und Asylbewerber dürfen mit Zustimmung der Ausländerbehörde ein Praktikum zur Berufsorientierung aufnehmen.
Zusätzlich zu den oben beschriebenen Praktika-Arten gibt es noch ein Programm mit dem Namen Perspektiven für Flüchtlinge (PerfF). Das Ziel des durch die Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter finanzierten Programms ist es, Flüchtlinge auf eine versicherungspflichtige Beschäftigung vorzubereiten. Es bedeutet, dass die Teilnehmer Informationen über den Arbeitsmarkt bekommen und in ihren Bewerbungsaktivitäten unterstützt werden. Auch ein mehrwöchiges Praktikum beinhaltet das 12-Wochen-Programm.

Wann, welche Bestimmungen greifen, können Sie hier im Leitfaden der Deutschen IHK nachlesen.

Möchte eine Firma ein Praktikum anzubieten, ist dies relativ leicht möglich. Die Stadt Schneverdingen hat einen Praktikantenvertrag ausgearbeitet, der hier einsehbar ist: Praktikumsvertrag.pdf

Sie haben Fragen zu diesem Thema oder möchten eine Praktikumsstelle o.ä. anbieten?
Wenden Sie sich gerne an die Koordinierungsstelle Schneverdingen.

Ausbildung

Auch im Punkto Ausbildung kommt es darauf an, welchen Aufenthaltstitel der Bewerber hat. Flüchtlinge mit einer Aufenthaltserlaubnis dürfen ohne Beschränkung eine betriebliche oder schulische Berufsausbildung beginnen. Bis vor kurzer Zeit hing die Planungssicherheit mit der Gültigkeit der jeweiligen Aufenthaltsgenehmigung zusammen. Durch das Asylpaket 2 ist diese Planungssicherheit vergrößert worden, heißt: Migranten sollen unabhängig vom Status ihre Ausbildung beenden können und noch zwei Jahre in Deutschland arbeiten dürfen. Auch das maximale Einstiegsalter von 25 Jahren gibt es nicht mehr.

Geduldete Personen und Asylbewerber brauchen die Erlaubnis der Bundesagentur für Arbeit, um eine Ausbildung beginnen zu können. Handelt es sich um eine staatlich anerkannte oder vergleichbar geregelte Ausbildung, muss keine Zustimmung durch die BfA erfolgen. Für Personen mit Duldung kann die Ausbildung sofort beginnen, Asylbewerber hingegen müssen drei Monate warten.

Anerkennung der Auslandausbildung

In den meisten Berufen ist es notwendig, im Ausland erworbene Qualifikationen und Abschlüsse anerkennen zu lassen, um so eine Gleichwertigkeit prüfen zu lassen. Ebenso ist es wichtig, vorhandene Schulausbildung, Studium und/oder Ausbildungen anerkennen zu lassen. Für sogenannte nicht reglementierte Berufe ist eine Anerkennung ausländischer Abschlüsse nicht notwendig, wird aber trotzdem empfohlen. Hierzu gehören duale Ausbildungsprogramme und akademische Berufe.

Durch eine Anerkennung ist es für die Flüchtlinge einfacher, ihre Qualifikationen gegenüber potentiellen Arbeitgebern zu präsentieren. Entsprechende Stellen prüfen binnen drei Monaten die Inhalte der vorgelegten Qualifikationen und entscheiden dann, ob diese einer deutschen Qualifikation gleichzusetzen sind.

Normalerweise erfolgt die Prüfung von Abschlüssen aufgrund von Zeugnisanalysen. Im Ausland erworbene Studienabschlüsse werden durch die Zentralstelle für Ausländisches Bildungswesen geprüft.

Neben der Zeugnisanalyse gibt es auch eine Qualifikationsanalyse. Sie kommt zum Tragen, wenn es durch die Fluchtumstände nicht möglich ist, entsprechende Zeugnisse vorzuweisen. In diesem Fall können in einigen Berufssparten fehlende Nachweise durch ein Gleichwertigkeitsfeststellungsverfahren ersetzt werden. Hierbei können Arbeitsproben, fachliche Präsentationen und Fachgespräche gefordert werden. In manchen Fällen wird eine Externenprüfung bei der entsprechenden Kammer durchgeführt, wofür es vorbereitende Seminare und Lehrgänge gibt.

Mehr Informationen zu diesem Thema gibt es bei den jeweiligen Industrie- und Handelskammern und auf der Seite:
www.anerkennung-in-deutschland.de

Des Weiteren gibt es ein Förderprogramm IQ: Integration durch Qualifikation, die eigene Beratungsstellen haben.

Alle Zuwanderer, die nach Deutschland kommen, haben einen Rechtsanspruch darauf, für sie kostenfrei die Gleichwertigkeit ihrer im Ausland erworbenen Berufsqualifikationen prüfen zu lassen. Die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter übernimmt diese Kosten.

 Eine weitere Möglichkeit ist es, einen sogenannten Anpassungslehrgang in einigen Berufszweigen zu erhalten, sofern die Flüchtlinge nicht sozialversicherungspflichtig angestellt sind. Ist das Beschäftigungsverhältnis sozialversicherungspflichtig kann sich der Flüchtling vom von der Arbeit zwecks Weiterbildung freistellen lassen, wobei die Lohnkosten in diesem Fall von der Arbeitsagentur bezuschusst werden und sich die Arbeitserlaubnis sich um den entsprechenden Zeitraum verlängert.